Lernfeld 4: Güter im Betrieb transportieren

Auswahlkriterien für Fördermittel

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Auswahlkriterien für Fördermittel

Welches Fördermittel passt zu deinem Transportproblem?

20 Paletten, drei Geräte, 45 Minuten

Du schiebst gerade die zwanzigste Palette vom Lkw auf die Rampe, als der Funk knackt: "Wann kommt das Material?" Die Frühschicht braucht alle 20 Europaletten mit Motorenteilen in der Fertigungshalle, jede wiegt rund 800 kg. Dazwischen liegen 180 Meter glatter Betonboden. Der Gegengewichtsstapler steht in der Werkstatt. Verfügbar sind nur ein Handhubwagen, eine Elektroameise und ein Schubmaststapler. Nach 45 Minuten ohne Material steht die Produktionslinie still, und jede Stunde Stillstand kostet den Betrieb rund 4.000 Euro.

Drei unstetige Fördermittel, die du aus der letzten Lerneinheit kennst. Aber welches ist hier das richtige? Ohne klare Kriterien wird die Entscheidung zum Ratespiel.

Sechs Kriterien systematisch durchgehen

Jede Fördermittelentscheidung lässt sich an sechs Auswahlkriterien prüfen. Am Paletten-Szenario sieht das so aus:

  1. Güterart: Europaletten, Stückgut, 800 kg pro Stück. Alle drei Geräte können Paletten aufnehmen.
  2. Transportmenge: 20 Paletten, also 20 Einzelfahrten. Das summiert sich.
  3. Wegstrecke: 180 Meter einfach, keine Steigung. Der Handhubwagen ist für so lange Strecken körperlich zu belastend. Die Elektroameise schafft das mühelos.
  4. Lagereinrichtung: Kein Einlagern in Regale nötig, nur Transport von A nach B. Der Schubmaststapler mit seiner hohen Hubfunktion ist hier überdimensioniert.
  5. Häufigkeit: Einmaliger Bedarf pro Schicht, kein Dauerbetrieb. Eine fest installierte Rollenbahn (stetiges Fördermittel) wäre hier nicht wirtschaftlich.
  6. Geschwindigkeit: Hoher Zeitdruck durch den 45-Minuten-Puffer. Die Elektroameise fährt elektrisch und deutlich schneller als der manuelle Hubwagen.

Ergebnis: Die Elektroameise erfüllt alle sechs Kriterien am besten. Der Handhubwagen scheitert an Wegstrecke und Geschwindigkeit, der Schubmaststapler an der fehlenden Notwendigkeit für Hubhöhe.

Wie baust du ein Auswahlschema, das immer funktioniert?

Vom Einzelfall zur Prüfreihenfolge

Im Paletten-Beispiel hast du die sechs Kriterien der Reihe nach geprüft. Diese Reihenfolge ist kein Zufall. Sie folgt einer Logik: Zuerst schließt du ungeeignete Geräte aus, dann wählst du das optimale.

Die Prüfreihenfolge mit Entscheidungsregeln:

  1. Güterart bestimmt die Grundkategorie: Schüttgut verlangt ein Förderband, palettiertes Stückgut braucht Gabeln oder Lastaufnahme.
  2. Transportmenge zeigt den Umfang: Wenige Einheiten erlauben manuelle Geräte, große Mengen erfordern motorisierte Lösungen.
  3. Wegstrecke filtert weiter: Unter 50 Meter reicht oft ein Handhubwagen, ab 100 Meter brauchst du elektrischen Antrieb.
  4. Lagereinrichtung prüft die Umgebung: Schmale Gänge verlangen Schubmaststapler, freie Flächen erlauben breitere Geräte.
  5. Häufigkeit entscheidet zwischen stetig und unstetig: Dauerbetrieb auf fester Route spricht für eine Rollenbahn oder ein Förderband. Wechselnde Routen brauchen flexible Flurförderzeuge.
  6. Geschwindigkeit ist der letzte Filter: Bei Zeitdruck gewinnt das schnellere Gerät, auch wenn ein günstigeres verfügbar wäre.

Jedes Kriterium verengt die Auswahl. Am Ende bleibt das Fördermittel, das alle sechs Stufen besteht.

Dein Schema auf die Probe gestellt

Zurück zum Ausgangsproblem: Mit der Elektroameise schaffst du die 20 Paletten in gut einer Stunde zur Fertigung. Die Produktion läuft rechtzeitig an, kein Stillstand, keine 4.000 Euro Verlust. Das Schema hat funktioniert, weil du nicht nach Bauchgefühl entschieden hast, sondern Kriterium für Kriterium geprüft hast.

Genau dieses Vorgehen kannst du auf jede neue Transportsituation übertragen. Die Güter, Mengen und Wege ändern sich, aber die sechs Prüfstufen bleiben gleich.

Lernziele

  • Eine Fördermittelentscheidung für ein betriebliches Transportszenario beurteilen, indem für 2 von 3 vorgegebenen Szenarien die Entscheidung anhand von mindestens 3 der Kriterien Güterart, Transportmenge, Wegstrecke, Frequenz und Lagereinrichtung überprüft, konkrete Schwächen benannt und eine begründete Alternative vorgeschlagen wird
  • Ein Auswahlschema für Fördermittel mit priorisierten Kriterien entwickeln, indem alle 6 Auswahlkriterien (Güterart, Menge, Wegstrecke, Lagereinrichtung, Häufigkeit, Geschwindigkeit) in einer nachvollziehbaren Prüfreihenfolge angeordnet und für jede Stufe eine Entscheidungsregel formuliert wird
Bereit für mehr?

Thema verstanden?

Teste dein Wissen interaktiv in unserer App. 7 Tage kostenlos, dann nur 5 € im Monat.