Lernfeld 3: Güter bearbeiten

Qualitätserhaltende Maßnahmen eingelagerter Güter

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Qualitätserhaltende Maßnahmen eingelagerter Güter

Aufgeblähte Becher im Kühllager - was jetzt?

Die Situation: Falsche Reihenfolge und verdächtige Ware

Du ziehst eine Palette Frischkäse zur Kommissionierung vor. Dienstagmittag, 12 Uhr, Kühllager bei 6 Grad. Dein Atem kondensiert, die Handschuhe sind klamm. Die neuere Charge steht vorne, die ältere dahinter. Mehrere Becher in der hinteren Reihe sind deutlich aufgebläht.

Hier stimmt gleich doppelt etwas nicht. Erstens: Wer hat die Chargen so eingeräumt? Die ältere Ware mit dem früheren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gehört nach vorne. Zweitens: Aufgeblähte Becher sind ein klares Zeichen für Gasbildung durch Bakterien. Diese Ware darf auf keinen Fall an Kund:innen gehen. Die nächste Auslieferung startet in 30 Minuten. Welche Schritte musst du jetzt sofort einleiten, damit keine verdorbene Ware das Lager verlässt?

FEFO: Die richtige Entnahmereihenfolge

Das Problem mit der Chargenreihenfolge löst das FEFO-Prinzip (First Expired, First Out): Die Ware mit dem frühesten Verfallsdatum wird zuerst entnommen. Nicht das Einlagerungsdatum entscheidet, sondern das MHD.

Konkretes Beispiel: Im Kühllager stehen drei Joghurt-Chargen:

  1. Charge A: MHD 12.01.
  2. Charge B: MHD 19.01.
  3. Charge C: MHD 26.01.

Die korrekte Entnahmereihenfolge ist A → B → C. Charge A geht zuerst raus, weil ihr MHD am nächsten liegt. So verhinderst du, dass Ware im Regal abläuft, während neuere Chargen bereits ausgeliefert werden.

Wie läuft eine Sichtkontrolle ab?

Drei Mängelmerkmale, die du sofort erkennst

Bei der Sichtkontrolle prüfst du eingelagerte Güter regelmäßig mit den Augen und - wo nötig - mit der Nase. Du brauchst kein Labor. Die folgenden Merkmale verraten dir, dass etwas nicht stimmt:

  • Schimmelflecken: Grünliche, weiße oder schwarze Beläge auf Oberflächen. Besonders bei Obst, Käse und Backwaren.
  • Aufgeblähte oder eingedrückte Verpackungen: Aufblähung deutet auf Gasbildung durch Bakterien hin. Eingedrückte Ecken können bedeuten, dass die Schutzatmosphäre verloren ist.
  • Feuchtigkeitsflecken auf Kartons: Nasse oder wellige Stellen zeigen an, dass Kondenswasser oder eine undichte Verpackung die Ware beschädigt.

Sobald du auch nur eines dieser Merkmale entdeckst, gilt die Ware als verdächtig. Du darfst sie nicht einfach zurückstellen und hoffen, dass jemand anderes das Problem bemerkt.

Das Eskalationsverfahren: Melden, sperren, dokumentieren

Hast du einen Mangel erkannt, folgt ein fester Dreischritt:

  1. Meldung an die Lagerleitung: Sofort mündlich oder per Funk. Nicht abwarten, nicht selbst entscheiden, ob die Ware "noch geht".
  2. Sperrung des Lagerplatzes: Die betroffene Ware und der gesamte Lagerplatz werden gesperrt, damit niemand versehentlich darauf zugreift. In vielen Betrieben klebst du dafür ein rotes Sperrschild auf die Palette.
  3. Dokumentation im System: Du trägst den Mangel ins Lagerverwaltungssystem ein - mit Datum, Lagerplatz, Artikelnummer und Art des Mangels. Ohne diese Dokumentation fehlt die Nachvollziehbarkeit.

Reichen diese Maßnahmen aus?

Zurück zum Kühllager: Ein Maßnahmenpaket bewerten

Denk nochmal an die Ausgangssituation: Kühllager, 6 Grad, aufgeblähte Becher, falsche Chargenreihenfolge. Wie gut hat das Lager seine Qualitätserhaltung im Griff? Prüfe anhand von drei Kriterien:

  • Temperaturkontrolle: 6 Grad sind für Frischkäse im Normbereich (2-8 Grad). Dieses Kriterium ist erfüllt.
  • FEFO-Einhaltung: Die neuere Charge stand vorne, die ältere dahinter. Das FEFO-Prinzip wurde verletzt. Hier besteht eine klare Lücke.
  • Kontrollintervall: Die aufgeblähten Becher wurden erst bei der Kommissionierung entdeckt, nicht bei einer regulären Sichtkontrolle. Das deutet darauf hin, dass die Kontrollintervalle zu lang sind oder gar nicht eingehalten werden.

Ergebnis: Von drei Kriterien ist nur eines erfüllt. Das Maßnahmenpaket hat zwei Lücken, die beide zu dem Problem beigetragen haben.

Was müsste sich ändern?

Aus der Bewertung lassen sich konkrete Verbesserungen ableiten:

Für die FEFO-Lücke: Neue Ware wird grundsätzlich hinter die ältere Ware eingeräumt. Bei jeder Einlagerung prüft die zuständige Person die MHD-Reihenfolge im Regal. Zusätzlich hilft eine farbliche Kennzeichnung der Chargen (z.B. Wochenfarbsystem).

Für die Kontrollintervall-Lücke: Bei empfindlichen Lebensmitteln wie Frischkäse reicht eine Kontrolle pro Woche nicht. Tägliche Sichtkontrollen in Kühllager-Zonen mit kurzen MHD-Waren sind nötig. Jede Kontrolle wird mit Kürzel und Uhrzeit dokumentiert.

Erst wenn alle drei Kriterien dauerhaft erfüllt sind, ist die Qualitätserhaltung im Kühllager abgesichert.

Lernziele

  • Das FEFO-Prinzip auf vorgegebene Lagersituationen anwenden und die Entnahmereihenfolge bestimmen, indem für 3 Lagersituationen mit unterschiedlichen MHD-Angaben (z.B. Joghurt MHD 12.01., 19.01. und 26.01. im Kühllager) jeweils die korrekte Entnahmereihenfolge vom frühesten zum spätesten MHD bestimmt und das FEFO-Prinzip als Entscheidungsgrundlage schriftlich begründet wird
  • Eine Sichtkontrolle für eingelagerte Güter und das anschließende Meldeverfahren bei Qualitätsmängeln durchzuführen, indem für 5 vorgegebene Lagergüter die Sichtkontrolle vollständig abgearbeitet, mindestens 3 Qualitätsmängelmerkmale (z.B. Schimmelflecken, eingedrückte Verpackungsecken, Feuchtigkeitsflecken auf Kartons) korrekt benannt und das Eskalationsverfahren — Meldung an Lagerleitung, Sperrung des Lagerplatzes, Dokumentation im System — beschrieben wird
  • Ein vorgegebenes Maßnahmenpaket zur Qualitätserhaltung im Kühllager zu bewerten, indem das Maßnahmenpaket anhand von mindestens 3 Kriterien (Temperaturkontrolle, FEFO-Einhaltung, Kontrollintervall) beurteilt und begründet wird, welche Maßnahmen ausreichen und wo Lücken bestehen
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