Güterbearbeitungsprozesse
Welcher Bearbeitungsschritt gehört zu welchem Artikel?
Die Mischpalette im Güterbearbeitungsbereich
Mittwochnachmittag, 14:30 Uhr, Güterbearbeitungsbereich. Es riecht nach Reinigungsmittel von einem undichten Kanister. Dein Teamleiter schiebt dir eine Rollpalette mit Retourenware aus drei Filialen hin: Textilien ohne Pflegeetiketten, ein angebrochener Kanister Reinigungsmittel und zwei halbfertige Geschenksets. "Mach die Ware wieder verkaufsfähig."
Einfach einlagern geht nicht. Der erste Schritt heisst Sortieren. Du trennst die gemischten Artikel nach Artikelgruppe und Zustand. Zwei Merkmale kennzeichnen diesen Prozess: Erstens werden gemischte Warenbestände nach definierten Kriterien (Artikelart, Zustand, Zielfiliale) aufgeteilt. Zweitens bleibt die Ware dabei physisch unverändert - du ordnest sie nur räumlich neu zu. Genau das grenzt Sortieren von der reinen Einlagerung ab: Ohne vorheriges Sortieren landen Textilien neben Reinigungsmitteln im selben Regalfach, und niemand findet etwas wieder.
Umfüllen und Konfektionieren am konkreten Fall
Der undichte Reinigungsmittel-Kanister braucht Umfüllen. Dabei wird Ware aus einem Behältnis in ein anderes transferiert. Zwei Merkmale: Der Prozess betrifft typischerweise Flüssigkeiten, Schüttgüter oder lose Ware, und es entsteht dabei kein neues Produkt, sondern nur eine neue Verpackungseinheit. Im Lager füllst du den Reiniger in einen unbeschädigten Kanister um.
Die halbfertigen Geschenksets erfordern Konfektionieren. Hier stellst du einzelne Artikel zu einer neuen Verkaufseinheit zusammen. Zwei Merkmale: Konfektionieren ist wertschöpfend, weil ein neues, verkaufsfähiges Produkt entsteht. Und es werden immer verschiedene Einzelartikel kombiniert - etwa Duschgel, Bodylotion und Handcreme zu einem Pflegeset. Der Unterschied zum Umfüllen: Beim Umfüllen packst du denselben Artikel nur um. Beim Konfektionieren kombinierst du unterschiedliche Artikel zu etwas Neuem.
Welche Güterbearbeitungsprozesse gibt es insgesamt?
Sieben Prozesse im Überblick
Sortieren, Umfüllen und Konfektionieren kennst du jetzt aus dem Fall. Im Lagerbetrieb gibt es insgesamt sieben typische Güterbearbeitungsprozesse:
- Sortieren - Gemischte Bestände nach Kriterien trennen
- Umfüllen - Ware in andere Behältnisse transferieren
- Konfektionieren - Einzelartikel zu neuen Verkaufseinheiten zusammenstellen
- Etikettieren - Ware mit Preis-, Pflege- oder Barcode-Etiketten versehen (z.B. importierte Textilien mit deutschen Pflegeetiketten auszeichnen)
- Verpacken - Ware transport- oder verkaufssicher verpacken
- Prüfen - Qualität, Menge oder Zustand der Ware kontrollieren
- Kommissionieren - Einzelne Artikel nach Kundenauftrag aus dem Lager zusammenstellen
Alle sieben Prozesse haben eines gemeinsam: Sie machen Ware versand-, lager- oder verkaufsfähig. Ohne sie bleibt die Ware im Sperrlager.
Den passenden Prozess erkennen
Zurück zur Praxis. Dein Teamleiter gibt dir zwei neue Aufgaben:
Situation 1: Eine Lieferung importierter T-Shirts trifft ein. Die Shirts haben nur chinesische Waschetiketten, keine deutschen Pflegesymbole. Ohne korrekte Kennzeichnung dürfen sie in Deutschland nicht verkauft werden. Hier ist Etikettieren nötig, weil gesetzliche Vorschriften die Pflegekennzeichnung in der Landessprache verlangen. Falsche oder fehlende Etiketten führen zu Kundenreklamationen und im schlimmsten Fall zu Bußgeldern.
Situation 2: Aus dem Online-Versand kommen Retouren auf einer gemischten Palette: Schuhe, Elektronik und Kosmetik durcheinander. Bevor irgendetwas weiterverarbeitet werden kann, muss die Palette sortiert werden. Erst wenn jede Artikelgruppe getrennt ist, können die Folgeprozesse (Prüfen, neu Verpacken) gezielt starten.
Lernziele
- Güterbearbeitungsprozesse im Lagerbetrieb aus dem Gedächtnis auflisten, indem mindestens 5 von 7 Prozessen (Umfüllen, Konfektionieren, Sortieren, Etikettieren, Verpacken, Prüfen, Kommissionieren) ohne Vorlage einer Liste aus dem Gedächtnis korrekt benannt werden
- Unterschiede zwischen zentralen Güterbearbeitungsprozessen erklären, indem für jeden der drei Prozesse mindestens 2 charakteristische Merkmale beschrieben, die Prozesse voneinander abgegrenzt und jeweils ein betriebliches Beispiel aus einem realen Lagerbetrieb genannt werden
- Den erforderlichen Güterbearbeitungsprozess für Lagersituationen analysieren, indem in 3 von 4 vorgegebenen Lagersituationen (z.B. gemischte Retourenpalette, importierte Textilien ohne Pflegeetikett) der passende Prozess identifiziert und die Notwendigkeit mit mindestens einem fachlichen Argument begründet wird