Lernfeld 3: Güter bearbeiten

Berechnung: Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Berechnung: Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer

Welcher Artikel bindet dein Kapital am längsten?

Drei rote Markierungen, keine Kennzahlen

Welcher deiner Modeartikel bewegt sich kaum noch? Montagnachmittag, 14:15 Uhr, Büro der Schichtleitung. Deine Teamleiterin zeigt auf drei rot markierte Winterjacken-Modelle am Bildschirm. Bis Feierabend braucht sie eine Empfehlung, welche aus dem Sortiment fliegen. Du hast Jahresabgänge und Durchschnittslagerbestände vor dir. Erinnerst du dich an die Berechnung des Durchschnittslagerbestands? Genau diese Zahl brauchst du jetzt, um die Umschlagshäufigkeit zu ermitteln.

Schritt für Schritt: Die Umschlagshäufigkeit berechnen

Für Modell "Arctic 300" liegen folgende Daten vor:

  • Lagerabgang (Jahresverbrauch): 3.600 Stück
  • Durchschnittslagerbestand: 450 Stück

Die Formel lautet:

Umschlagshäufigkeit = Lagerabgang / Durchschnittslagerbestand

Eingesetzt: 3.600 / 450 = 8

Die "Arctic 300" wird also 8-mal pro Jahr vollständig umgeschlagen. Der gesamte Bestand wird rechnerisch alle paar Wochen einmal komplett ausgetauscht. Aber reicht das? Um diese Frage zu beantworten, brauchst du die Lagerdauer.

Von der Umschlagshäufigkeit zur Lagerdauer

Die Lagerdauer zeigt, wie viele Tage ein Artikel durchschnittlich im Lager verweilt:

Lagerdauer = 360 Tage / Umschlagshäufigkeit

Eingesetzt: 360 / 8 = 45 Tage

Beide Kennzahlen hängen reziprok (gegenläufig) zusammen: Steigt die Umschlagshäufigkeit, sinkt die Lagerdauer zwingend. Du kannst auch rückwärts rechnen: Umschlagshäufigkeit = 360 / Lagerdauer. Also 360 / 45 = 8. Die Formeln bestätigen sich gegenseitig.

45 Tage Lagerdauer bei Mode: Handlungsbedarf?

Wenn eine Kennzahl die andere bestimmt

Der reziproke Zusammenhang auf einen Blick:

Je höher die Umschlagshäufigkeit, desto kürzer liegt die Ware im Lager. Das bedeutet weniger Kapitalbindung, geringeres Risiko für Wertverfall und niedrigere Lagerkosten. Eine Veränderung der einen Kennzahl zieht die andere immer automatisch mit.

Dein Urteil zur Arctic 300

Zurück zur Frage deiner Teamleiterin. Die "Arctic 300" hat eine Lagerdauer von 45 Tagen. Im Modehandel liegt der Branchenzielwert bei einer Umschlagshäufigkeit von 10 bis 12, also einer Lagerdauer von 30 bis 36 Tagen. Mit einer Umschlagshäufigkeit von nur 8 bleibt die "Arctic 300" klar hinter dem Ziel.

Beurteilung: Die Ware bewegt sich zu langsam. Saisonmode verliert pro Woche an Wert, und jeder zusätzliche Lagertag kostet Geld. Zwei konkrete Empfehlungen für deine Teamleiterin:

  1. Bestellpolitisch: Künftig kleinere Mengen ordern und häufiger nachbestellen. So sinkt der Durchschnittslagerbestand, und die Umschlagshäufigkeit steigt.
  2. Vertrieblich: Einen gezielten Abverkauf mit Rabattaktion starten, um den aktuellen Bestand schneller abzubauen und die Lagerdauer zu senken.

Lernziele

  • den reziproken Zusammenhang zwischen Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer zu erklären, indem beide Formeln korrekt angegeben und anhand eines selbst gewählten Zahlenbeispiels gezeigt wird, dass eine steigende Umschlagshäufigkeit zwingend eine sinkende Lagerdauer ergibt
  • die Umschlagshäufigkeit eines Artikels aus Lagerabgang und Durchschnittslagerbestand zu berechnen, indem der vollständige Rechenweg mit korrekter Formel, eingesetzten Werten und Ergebnis (Anzahl pro Jahr) für ein vorgegebenes Zahlenbeispiel dargestellt wird
  • die Lagersituation eines Modeartikels mit einer durchschnittlichen Lagerdauer von 45 Tagen zu beurteilen, indem das Urteil durch einen Vergleich mit einem branchenüblichen Zielwert oder einer berechneten Ziel-Umschlagshäufigkeit gestützt und mindestens eine bestellpolitische oder vertriebliche Handlungsempfehlung begründet wird
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