Lernfeld 3: Güter bearbeiten

Berechnung: Lagerkosten und Lagerkostensatz

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Berechnung: Lagerkosten und Lagerkostensatz

Warum sieht das sparsamere Lager auf einmal teurer aus?

Das Problem auf deinem Schreibtisch

Du blätterst durch zwei Quartalsberichte, die deine Teamleiterin dir gerade über den Tisch geschoben hat. Der Durchschnittsbestand im Außenlager wurde um 20 Prozent gesenkt. Diesen Wert kennst du bereits aus der Bestandsberechnung, und die Umschlagshäufigkeit hat sich dadurch sogar verbessert. Trotzdem ist der Lagerkostensatz von 18 auf 24 Prozent geklettert. Die Geschäftsführung will bis 12 Uhr wissen, warum weniger Ware plötzlich teurer wirkt. 12 Kolleg:innen warten auf eine Antwort, die ihre Arbeitsplätze am Standort sichert.

Welche Kosten stecken überhaupt im Lager?

Um den Lagerkostensatz zu berechnen, brauchst du zuerst die Gesamtlagerkosten. Fünf Kostenpositionen fließen typischerweise ein:

  1. Raumkosten - Miete, Instandhaltung, Versicherung der Lagerfläche
  2. Abschreibungen - Wertminderung von Regalen, Staplern, Fördertechnik
  3. Personalkosten - Löhne und Gehälter der Lagerfachkräfte
  4. Energiekosten - Heizung, Beleuchtung, Kühlung
  5. Kapitalkosten - Zinsen auf das im Lagerbestand gebundene Kapital

Die ersten vier Positionen sind weitgehend Fixkosten: Sie fallen an, egal ob das Lager voll oder halb leer ist. Nur die Kapitalkosten sinken, wenn weniger Ware auf Lager liegt.

Wie berechnest du den Lagerkostensatz?

Die Formel im Überblick

Der Lagerkostensatz drückt aus, wie viel Prozent des durchschnittlichen Lagerbestands pro Jahr allein für die Lagerhaltung draufgehen. Die Formel lautet:

Lagerkostensatz (%) = Gesamtlagerkosten / Durchschnittlicher Lagerbestand × 100

Der Durchschnittliche Lagerbestand wird hier als Wert in Euro eingesetzt, nicht in Stück. Du hast diese Berechnung bei der Ermittlung des durchschnittlichen Lagerbestands bereits kennengelernt.

Schritt für Schritt durchgerechnet

Für das Außenlager aus dem Quartalsbericht sehen die Zahlen so aus:

Der durchschnittliche Lagerbestand beträgt 1.000.000 Euro.

Rechnung: 180.000 / 1.000.000 × 100 = 18,00 %

Jeder Euro Ware im Lager verursacht also 18 Cent Lagerkosten pro Jahr. Diesen Ausgangswert hast du jetzt schwarz auf weiß.

Warum steigt der Kostensatz bei weniger Bestand?

Der Fixkosten-Effekt mit konkreten Zahlen

Der Bestand im Außenlager sinkt um 20 Prozent auf 800.000 Euro. Was passiert mit den Kosten?

Fixkosten bleiben gleich: Raumkosten, Abschreibungen, Personal und Energie laufen weiter. Zusammen: 162.000 Euro.

Kapitalkosten sinken proportional: 18.000 × 0,8 = 14.400 Euro (weniger Ware bindet weniger Kapital).

Neue Gesamtlagerkosten: 162.000 + 14.400 = 176.400 Euro

Neuer Lagerkostensatz: 176.400 / 800.000 × 100 = 22,05 %

Der Kostensatz steigt von 18,00 % auf 22,05 %, obwohl die Gesamtkosten sogar leicht gesunken sind.

Den Zusammenhang in drei Sätzen erklären

Jetzt kannst du der Geschäftsführung erklären, was passiert ist:

Die Gesamtlagerkosten bestehen zum Großteil aus Fixkosten, die unabhängig vom Bestand anfallen. Wenn der Durchschnittslagerbestand sinkt, verteilen sich diese festen Kosten auf eine kleinere Bezugsgröße im Nenner der Formel. Der Lagerkostensatz steigt deshalb zwangsläufig, auch wenn das Lager insgesamt günstiger geworden ist.

Der Lagerkostensatz allein sagt also nicht, ob ein Lager teurer geworden ist. Er zeigt, wie viel Prozent des Bestandswerts für die Lagerhaltung anfallen. Genau diesen Unterschied muss die Geschäftsführung verstehen.

Wie setzt du das Gelernte ein?

Die Lösung für den Quartalsbericht

Du hast jetzt alle Bausteine zusammen, um den Bericht für die Geschäftsführung zu erstellen. Dein Vorgehen in drei Schritten:

  1. Kostenpositionen sammeln: Alle fünf Positionen (Raum, Abschreibungen, Personal, Energie, Kapital) aus der Buchhaltung zusammentragen und zur Gesamtsumme addieren.
  2. Lagerkostensatz berechnen: Gesamtlagerkosten durch den durchschnittlichen Lagerbestand (in Euro) teilen und mit 100 multiplizieren.
  3. Fixkosten-Effekt einordnen: Den Anstieg des Kostensatzes nicht als Kostensteigerung fehlinterpretieren, sondern als rechnerische Folge der kleineren Bezugsgröße im Nenner erklären.

Wenn die Geschäftsführung den Kostensatz wirklich senken will, gibt es nur zwei Hebel: Entweder die Fixkosten reduzieren (z.B. kleinere Lagerfläche mieten) oder den Bestand wieder erhöhen. Die bessere Lösung ist fast immer der erste Weg.

Dein Transferfall

Ein anderes Lager hat folgende Jahresdaten: Gesamtlagerkosten 95.000 Euro, durchschnittlicher Lagerbestand 420.000 Euro. Im nächsten Jahr soll der Bestand auf 350.000 Euro sinken. Die Fixkosten bleiben bei 82.000 Euro, die Kapitalkosten sinken proportional.

Lernziele

  • die Kostenpositionen der Gesamtlagerkosten aufzuzählen, indem mindestens 5 Kostenpositionen (Raumkosten, Abschreibungen, Personalkosten, Energiekosten, Kapitalkosten) korrekt benannt und deren Zurechnung auf den Lagerbestand erklärt wird
  • den Lagerkostensatz aus gegebenen Kennzahlen zu berechnen, indem aus vorgegebenen Gesamtlagerkosten und Durchschnittslagerbestand der Lagerkostensatz korrekt ermittelt, in Prozent ausgedrückt und das Ergebnis auf zwei Nachkommastellen gerundet wird
  • den Einfluss eines sinkenden Durchschnittsbestands auf den Lagerkostensatz bei konstanten Fixkosten zu analysieren, indem die Kostensatzerhöhung anhand eines Zahlenbeispiels mit zwei verschiedenen Bestandsniveaus rechnerisch belegt und der Zusammenhang in maximal 3 Sätzen treffend erklärt wird
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