Lernfeld 1: Güter annehmen und kontrollieren

Verpackungstrennung und Palettentausch

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Verpackungstrennung und Palettentausch

Abholung verweigert: Was ist schiefgelaufen?

Gemischte Fraktionen, fehlende Paletten

"Abholung verweigert." Der Zettel klebt am Container neben der Rampe. Der Entsorgungsdienst hat die drei Wertstoffbehälter stehen lassen: Stretchfolie, Umreifungsbänder und Kantenschutzpappen liegen gemischt in einem einzigen Behälter. Nachsortieren kostet 380 Euro. Gleichzeitig fehlen auf deinem Palettenkonto acht Europaletten, weil beim letzten Tausch mit dem Fahrpersonal niemand die Stückzahl dokumentiert hat. Jede fehlende Palette: rund 15 Euro. Deine Schichtleitung will bis Mittag eine Lösung von dir.

Die Ablaufsteuerung an der Rampe klärt, welcher LKW zuerst drankommt. Jetzt geht es um den Schritt danach: Wohin mit dem Verpackungsmaterial, wenn die Palette ausgepackt ist? Und wie stellst du sicher, dass beim Palettentausch keine Stückzahlen verloren gehen?

Drei Materialien, drei Behälter

Beim Auspacken einer Palette fallen drei Materialfraktionen an. Jede gehört in einen eigenen Wertstoffbehälter:

  1. Stretchfolie (Kunststoff, LDPE): Folie von der Palette abziehen und locker zusammenknüllen. Nicht in kleine Fetzen reißen, das erschwert das Recycling. Ziel: Kunststoff-Behälter.
  2. Umreifungsbänder: Erst das Material prüfen. Bänder aus Kunststoff (PP) kommen zum Kunststoff, Bänder aus Stahl in den Metallschrott. Nach dem Durchtrennen sofort einsammeln, denn lose Bänder am Hallenboden sind Stolperfallen.
  3. Kantenschutzpappen: In den Pappe-Behälter. Vorher Klebebandreste und Metallklammern entfernen. Schon ein einzelnes Klebeband kann dazu führen, dass die gesamte Charge als verunreinigt abgelehnt wird.

Warum zählt jede einzelne Palette?

Drei Gründe für lückenlose Dokumentation

Zurück zum Einstiegsproblem: Acht Paletten fehlen, weil niemand den Tausch notiert hat. Drei Gründe machen die Dokumentation beim Palettentausch unverzichtbar:

  1. Haftung bei Differenz: Ohne schriftlichen Nachweis haftet dein Betrieb für jede fehlende Palette. Bei mehreren hundert Tauschvorgängen pro Monat summieren sich undokumentierte Verluste schnell auf vierstellige Beträge.
  2. Bestandsführung im ERP-System: Das Lagerverwaltungssystem rechnet mit korrekten Palettenbeständen. Stimmt die reale Zahl nicht mit dem Buchbestand überein, entstehen Fehlplanungen bei Einlagerung und Versand.
  3. Vertragsgrundlage Palettenschein: Der Palettenschein belegt, wie viele intakte Paletten getauscht wurden. Beide Seiten unterschreiben. Bei Unstimmigkeiten ist dieses Dokument die rechtliche Grundlage.

So läuft ein korrekter Tausch ab

Vier feste Schritte sichern den Tausch ab:

  1. Vollpaletten zählen: Beim Abladen jede Palette vom LKW zählen. Ergebnis sofort notieren.
  2. Zustand prüfen: Gebrochene Bretter, fehlende Klötze oder starke Verschmutzung machen eine Palette untauschfähig.
  3. Leerpaletten zurückgeben: Dem Fahrpersonal die gleiche Anzahl intakter Leerpaletten übergeben. Beschädigte Exemplare zählen nicht als Tausch.
  4. Palettenschein ausfüllen: Stückzahl, Datum und Unterschriften beider Seiten eintragen. Jede Partei erhält ein Exemplar.

Was tust du bei Abweichungen im Palettentausch?

Zwei typische Abweichungen analysieren

In der Praxis treten zwei Abweichungen besonders häufig auf:

Fall 1: Beschädigte Paletten. Das Fahrpersonal liefert zehn Vollpaletten, aber zwei haben gebrochene Deckbretter. Ursache: Transportschaden oder normaler Verschleiß. Handlung: Beschädigung auf dem Palettenschein vermerken, nur acht intakte Leerpaletten zurückgeben. Für die zwei beschädigten stellt dein Betrieb eine Nachforderung an den Tauschpartner.

Fall 2: Falsche Stückzahl. Laut Lieferschein sollten zwölf Paletten ankommen, auf der Rampe stehen nur zehn. Ursache: Zählfehler bei der Beladung oder Paletten an einer früheren Lieferstelle vergessen. Handlung: Differenz sofort auf dem Palettenschein notieren und eine Gutschrift über die fehlenden zwei Paletten einfordern.

Entscheidend: Jede Abweichung wird dokumentiert, bevor das Fahrpersonal den Hof verlässt.

Dein Ausgangsproblem: Acht Paletten ohne Nachweis

Die acht fehlenden Europaletten vom Anfang sind ein klarer Fall 2. Weil kein Palettenschein existiert, kann dein Betrieb weder eine Nachforderung stellen noch eine Gutschrift einfordern. Die 120 Euro Verlust (8 × 15 Euro) bleiben an deinem Standort hängen.

Ab jetzt gilt: Bei jeder Anlieferung die vier Schritte aus dem vorherigen Abschnitt durchlaufen. Dann unterschreibt niemand mehr blind.

Lernziele

  • Stretchfolie, Umreifungsbänder und Kantenschutzpappen einer angelieferten Palette fachgerecht zu trennen und zuzuweisen, indem alle 3 Materialfraktionen dem vorgeschriebenen Wertstoffbehälter zugeordnet und keine Fehlwürfe in einer praktischen Übung festgestellt werden
  • Zu erklären, warum der Palettentausch exakt dokumentiert werden muss, indem mindestens 2 Gründe aus den Bereichen Haftung bei Differenz, Bestandsführung im ERP-System und Vertragsgrundlage Palettenschein korrekt in eigenen Worten beschrieben werden
  • Abweichungen beim Palettentausch (beschädigte oder fehlende Tauschpaletten) zu analysieren, indem in mindestens 2 Fallszenarien die Ursache der Abweichung benannt und die daraus folgende betriebliche Handlungskonsequenz (Nachforderung, Gutschrift, Dokumentationspflicht) korrekt abgeleitet wird
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