Unfallverhütung an der Laderampe
Was sicherst du ab, bevor der Niederhubwagen über die Ladebrücke rollt?
Freitagvormittag an Rampe 3
Freitagvormittag, 11:30 Uhr, Rampe 3. Dieselgeruch liegt in der Luft, der LKW-Motor läuft noch. Dein Kollege hat dir den Elektro-Niederhubwagen übergeben und ist zurück ins Lager. Das Fahrpersonal steht rauchend zwischen Rampe und Trailer. Keine Unterlegkeile am LKW, die Ladebrücke liegt nur lose auf. Zwölf Paletten warten, und der Fahrer drängt: Sein nächster Stopp ist in 40 Minuten.
Bei der Ablaufsteuerung an der Rampe hast du gelernt, welcher LKW zuerst drankommt. Jetzt geht es darum, wie du sicherstellst, dass beim Entladen niemand verletzt wird. Denn bei der täglichen Fahrzeugprüfung hast du deinen Niederhubwagen zwar geprüft, aber die Rampe selbst ist noch nicht gesichert. Rollt der LKW nur wenige Zentimeter, kippt die Ladebrücke weg. Du stürzt mit dem Niederhubwagen in den Spalt. Quetschverletzungen, Ermittlungen durch die Berufsgenossenschaft.
Die 3 Sicherungsschritte vor dem ersten Überfahren
Egal wie sehr jemand drängelt: Du fährst erst über die Ladebrücke, wenn alle drei Schritte erledigt sind.
- Unterlegkeile beidseitig am Hinterrad anbringen. Du gehst zum Heck des LKW und legst je einen Keil vor und hinter mindestens ein Hinterrad auf jeder Seite. So kann der Trailer weder vor- noch zurückrollen.
- Ladebrücke arretieren und auf festen Sitz prüfen. Die Brücke wird in die Halterung eingehängt und verriegelt. Danach trittst du einmal kräftig auf die Kante, um den festen Sitz zu testen. Wackelt sie, stimmt die Arretierung nicht.
- Freigabesignal der vorgesetzten Person abwarten. Erst wenn eine verantwortliche Person die Sicherung kontrolliert und freigegeben hat, darfst du mit dem Niederhubwagen auffahren.
Wo lauern die unsichtbaren Gefahren an der Rampe?
Drei Gefahrenbereiche, die du kennen musst
Zurück an Rampe 3: Dein Niederhubwagen steht bereit, die Keile sitzen, die Brücke ist arretiert. Aber das Fahrpersonal ist noch im Bereich. Genau hier passieren die schwersten Unfälle.
- Totwinkel des Niederhubwagens: Wenn du rückwärts rangierst, siehst du seitlich und hinter dem Gerät fast nichts. Eine Person, die dort steht, wird nicht wahrgenommen. Unfallursache: Anfahren oder Einklemmen beim Rangieren.
- Bereich unter der Ladebrücke: Der Spalt zwischen Rampe und LKW-Ladefläche ist eine Quetschzone. Rutscht jemand hinein oder greift unter die Brücke, drohen schwere Verletzungen. Unfallursache: Einklemmen durch absinkende Brücke oder nachgebenden Trailer.
- LKW-Einstieg (Fahrerseite): Das Fahrpersonal steigt oft während der Entladung in die Kabine, um Papiere zu holen. Der Weg führt direkt durch den Rangierbereich. Unfallursache: Zusammenstoß mit dem fahrenden Flurförderzeug.
Dein Sicherungsmaßnahmenplan
Für jede Entladesituation, in der sich Fahrpersonal im Bereich aufhalten könnte, brauchst du einen vollständigen Plan. Die vier Bausteine:
- Unterlegkeilpflicht: Keile sind gesetzt und kontrolliert, bevor irgendeine Bewegung mit dem Flurförderzeug stattfindet.
- Absperrmaßnahme: Der Rangierbereich wird mit Pylonen oder Absperrketten markiert. Unbeteiligte Personen dürfen den Bereich nicht betreten.
- Kommunikationsregel mit dem Fahrpersonal: Vor Beginn der Entladung sprichst du das Fahrpersonal direkt an und weist einen sicheren Aufenthaltsbereich zu, zum Beispiel den Pausenraum oder einen markierten Wartebereich abseits der Rampe.
- Notfallprozedur: Falls sich doch jemand im Gefahrenbereich befindet, stoppst du sofort alle Fahrbewegungen, sicherst das Gerät und meldest die Situation an die vorgesetzte Person.
Wenn du diese vier Bausteine in deiner Entladesituation abgedeckt hast, bist du auf der sicheren Seite.
Lernziele
- Die Rampensicherung mit Unterlegkeilen vor der Überfahrt mit dem Niederhubwagen durchzuführen, indem alle 3 Sicherungsschritte (Unterlegkeil beidseitig am Hinterrad anbringen, Ladebrücke arretieren und auf festen Sitz prüfen, Freigabesignal des Vorgesetzten abwarten) in der vorgeschriebenen Reihenfolge ausgeführt werden
- Gefahrenbereiche an der Laderampe bei gleichzeitigem Stapler- und Personenbetrieb zu analysieren, indem mindestens 3 konkrete Gefahrenbereiche (Totwinkel des Staplers, Bereich unter der Ladebrücke, LKW-Einstieg) mit der jeweiligen Unfallursache identifiziert und beschrieben werden
- Einen Sicherungsmaßnahmenplan für den Entladevorgang mit Personenrisiko zu planen, indem der Plan mindestens Unterlegkeilpflicht, Absperrmaßnahme, Kommunikationsregel mit dem Fahrpersonal und eine Notfallprozedur enthält und auf Vollständigkeit anhand einer vorgegebenen Checkliste überprüft wird