Warum zeigt das RFID-Tor nur 47 von 50 Kartons?
Samstagschicht, drei Leute, zwölf Paletten
Samstagnachmittag, 14 Uhr im Wareneingang. Samstagschicht: drei Leute für zwölf Paletten. An Rampe 2 hängt jemand in einer Retoure fest, die dritte Person sortiert Leergut. Du übernimmst das RFID-Tor allein.
Aus dem Bereich Barcode und RFID weißt du, dass RFID mehrere Tags gleichzeitig ohne Sichtkontakt erfassen kann. Genau das soll das Tor jetzt leisten. Du schiebst die erste Palette durch. Der Monitor zeigt: 47 Kartons erfasst. Der Lieferschein sagt: 50. Du zählst von Hand nach. Alle 50 Kartons liegen auf der Palette.
Drei Positionen fehlen im System, aber nicht physisch. Buchst du 47 ein, hat das Kommissionierteam am Montag drei Fehlpositionen. Meldest du drei fehlende Kartons beim Lieferanten, reklamierst du Ware, die vor dir steht. Was ist beim Durchfahren schiefgelaufen?
Vom Funksignal zur Buchung in vier Schritten
So funktioniert die Pulkerfassung am RFID-Tor:
- Die Antenne im Torrahmen erzeugt das Trägersignal. Bei LF/HF-RFID (125 kHz / 13,56 MHz) arbeitet die Antenne mit einem elektromagnetischen Wechselfeld (induktive Kopplung). Bei UHF-RFID (860-960 MHz) handelt es sich um elektromagnetische Strahlung im Fernfeld (Backscatter-Verfahren).
- Jedes RFID-Tag auf den Kartons entnimmt daraus Energie und sendet seine gespeicherte ID zurück.
- Der Reader empfängt alle Antwortsignale und dekodiert sie.
- Das WMS bucht die erkannten Artikel automatisch ein.
Per Handscanner müsstest du jeden der 50 Kartons einzeln scannen. Bei rund 4 Sekunden pro Scan dauert das über 3 Minuten. Das RFID-Tor schafft dieselbe Erfassung in einer Durchfahrt von wenigen Sekunden.
🤔 Frage dich: Was passiert, wenn drei der 50 Kartons Metallgehäuse enthalten - kann das Funksignal des Tags den Reader noch erreichen?
Was tust du, wenn das RFID-Tor nicht alles erfasst?
Beschädigtes Tag: drei Schritte zur Korrektur
Wenn ein RFID-Tag abgerissen oder beschädigt ist, erfasst das Tor den Karton nicht. So gehst du vor:
- Den nicht erfassten Karton anhand des aufgedruckten Barcodes mit dem Handscanner einzeln erfassen.
- Ein neues RFID-Tag aus dem Drucker am Wareneingang auf den Karton kleben und mit der Artikelnummer beschreiben. Dieser Schritt heißt Nachetikettierung.
- Die fehlende Position im WMS manuell nachbuchen.
Erst nach allen drei Schritten stimmt der digitale Bestand mit der physischen Ware überein.
Vier Störquellen und was du dagegen tun kannst
Nicht jede Lücke kommt von einem kaputten Tag. Vier häufige Störquellen beeinträchtigen die Erfassung:
- Das Funksignal wird von metallischer Ware abgeschirmt. Tags auf Abstandshalter (Spacer-Tags) kleben statt direkt auf Metall.
- Flüssigkeiten absorbieren Funkwellen. Tags seitlich am Karton anbringen, weg vom Behälter.
- Tags, die zur Palettenmitte zeigen, erreicht das Feld der Antenne schlecht. Immer nach außen zum Tor ausrichten.
- Bei zu vielen Tags auf engem Raum entsteht Frequenzüberlagerung. Palette langsamer durchs Tor schieben, damit der Reader mehr Lesezyklen schafft.
Zurück zur Samstagschicht: 47 oder 50?
Du prüfst die Palette genauer. Zwei Kartons enthalten Metallgehäuse, beim dritten ist das Tag an der Ecke eingerissen. Keine Lieferantenschuld: drei Störquellen auf einer Palette.
Du erfasst die drei Kartons per Handscanner nach, klebst dem beschädigten Karton ein neues Tag auf und buchst 50 Stück ins WMS. Die Reklamation beim Lieferanten wäre falsch gewesen. Am Montag kann das Kommissionierteam wie geplant loslegen.
Teste dein Wissen
Du schiebst eine Palette durchs RFID-Tor — der Tag hat keine eigene Batterie. Warum sendet er trotzdem seine ID zurück?