Warum reichen deine Sicherheitsschuhe nicht für Stahlträger?
Griff an den Haltegriff - und dann Stopp
Du greifst nach dem Haltegriff der Ladefläche. "Stopp! Nicht mit den Schuhen." Die Fachkraft neben dir hält dich am Arm. Auf der Pritsche liegen Stahlträger, sechs Meter lang, scharfe Schnittkanten, jeder über 100 Kilo. Mittwochnachmittag, 13:15 Uhr im Wareneingang. Du schaust runter: S1-Sicherheitsschuhe. Die trägst du jeden Tag beim Kommissionieren. Für Stahlträger reichen sie nicht.
Wer auf eine Kante tritt oder abrutscht, riskiert wochenlangen Ausfall und eine Unfalluntersuchung für den ganzen Betrieb. Was genau fehlt an deiner Ausrüstung, und wer ist dafür zuständig, dass du die richtige bekommst?
S1 gegen S3 - wo liegt der Unterschied?
Beide Klassen haben eine Zehenschutzkappe (hält 200 Joule aus) und einen geschlossenen Fersenbereich. Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal nach EN ISO 20345:2022 ist die durchtrittsichere Sohle (Kennzeichnung P) - sie trennt S1 von S3. Weitere Merkmale ergänzen das Bild:
Die durchtrittsichere Sohle ist der entscheidende Punkt bei Stahlträgern: Trittst du auf eine scharfe Kante oder einen herumliegenden Nagel, schützt nur die S3-Sohle deinen Fuß. S2 schützt zwar gegen Feuchtigkeit, ersetzt aber keinen Durchtrittschutz.
Fünf Komponenten für die Stahlträger-Entladung
Für die Entladung von Stahlträgern brauchst du mindestens fünf Komponenten der persönlichen Schutzausrüstung (PSA):
- S3-Sicherheitsschuhe mit durchtrittsicherer Sohle
- Schutzhelm gegen herabfallende Teile
- Handschuhe mit Schnittschutz gegen Grate und Stahlkanten
- Warnweste für Sichtbarkeit bei fahrendem Verkehr
- Schutzbrille gegen Rostpartikel und Splitter
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Formuliere eine WhatsApp-Nachricht an deine Kollegin, die unsicher ist, warum S1-Schuhe beim Kommissionieren reichen, aber beim Entladen von Stahlträgern nicht - wie formulierst du den Unterschied in zwei Sätzen?
Wer beschafft die Schutzausrüstung - und wer muss sie tragen?
Pflichten nach dem Arbeitsschutzgesetz
Fünf Komponenten fehlen dir an der Ladefläche. Aber wessen Aufgabe ist es, sie bereitzustellen? Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verteilt die Verantwortung auf beide Seiten:
Der Arbeitgeber muss:
- eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, die festlegt, welche PSA für welche Tätigkeit nötig ist
- die PSA kostenlos bereitstellen und bei Verschleiß ersetzen
- regelmäßige Unterweisungen zum richtigen Umgang organisieren
Beschäftigte müssen:
- die bereitgestellte PSA bestimmungsgemäß verwenden, also tatsächlich tragen
- Mängel und Defekte sofort melden, z.B. eine durchgetretene Sohle
- an den Unterweisungen teilnehmen
Zurück an die Ladefläche
Dein Betrieb muss dir S3-Schuhe, Helm, Schnittschutzhandschuhe, Warnweste und Schutzbrille bereitstellen. Kostenlos und in passender Größe. Deine Pflicht: Du ziehst sie an und trägst sie die gesamte Entladung über.
Hättest du mit den S1-Schuhen die Ladefläche betreten und wärst auf eine Schnittkante getreten, hätte das zwei Folgen: dein Fuß wäre verletzt gewesen, und der Betrieb hätte ein Arbeitsschutzproblem, weil die Gefährdungsbeurteilung offenbar nicht umgesetzt wurde. Gut, dass du rechtzeitig gestoppt wurdest.
Teste dein Wissen
Du sollst Stahlträger vom LKW entladen. Welche PSA-Komponente schützt dich vor Verletzungen durch herunterfallende Teile auf dem Fuß?