Einsatz von Mess- und Prüfmitteln an der Rampe
Wie prüfst du, was das Auge nicht sehen kann?
0,2 mm Unterschied, die niemand sieht
Vorsichtig schiebst du die Messbacken des Messschiebers um eine Edelstahlschraube zusammen. Es ist Mittwochnachmittag am QS-Prüfplatz, vor dir liegen 2.000 Schrauben aus der gerade angelieferten Charge. Laut Bestellung: exakt 8 mm Durchmesser. Die Schrauben sehen einwandfrei aus, die Verpackung ist unbeschädigt.
Was passiert nach der äußeren Sichtprüfung, wenn die Verpackung zwar intakt ist, aber der Inhalt trotzdem nicht den Spezifikationen entspricht? Genau das ist letzte Woche passiert: Deine Kollegin aus der Produktion hat eine Charge reklamiert, weil die Schrauben nur 7,80 mm Durchmesser hatten. Die Montage stand still, bis Ersatz kam. 0,2 mm Abweichung sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. Ohne ein Mess- oder Prüfmittel hättest du den Fehler durchgewunken.
Schritt für Schritt: Maßkontrolle mit dem Messschieber
So gehst du bei der Maßkontrolle vor:
- Sollwert ermitteln: Bestellspezifikation prüfen. Hier: Durchmesser 8,00 mm.
- Messschieber nullen: Messbacken schließen, Skala muss exakt 0,00 anzeigen.
- Messen: Schraube zwischen die Außenmessbacken klemmen und sanft andrücken, bis sie leicht fixiert ist.
- Wert ablesen: Die Skala zeigt 7,95 mm.
- Soll-Ist-Vergleich: 7,95 mm liegt unter 8,00 mm. Abweichung erkannt.
- Wiederholen: Mindestens bei 2 von 3 Probestücken messen, um Einzelausreißer auszuschließen.
Ergebnis in diesem Fall: Zwei von drei Schrauben liegen unter dem Sollwert. Die Charge wird gesperrt und die Einkaufsabteilung informiert.
Welches Prüfmittel passt zu welcher Prüfaufgabe?
Sieben Prüfmittel und ihre Einsatzbereiche
Nicht jede Prüfaufgabe lässt sich mit dem Messschieber lösen. An der Rampe kommen insgesamt sieben gängige Prüfmittel zum Einsatz:
- Messschieber: Länge, Durchmesser, Tiefe (z.B. Schrauben, Bolzen, Hülsen)
- Einstechthermometer: Kerntemperatur direkt im Produkt (z.B. Tiefkühlfisch, Frischfleisch)
- Maßband: Außenmaße von Packstücken und Paletten
- Waage: Gewichtskontrolle bei Schüttgut oder Gebinden
- Feuchtemessgerät: Materialfeuchte bei Holz, Papier oder Textilien
- Lupe: Oberflächendetails wie Druckqualität, Beschriftungen, Mikrorisse
- Referenzmuster: Optischer Abgleich von Farbton, Form oder Oberflächenbeschaffenheit
Die Grundregel bei der Auswahl: Zuerst fragst du dich, welche Eigenschaft geprüft werden muss (Maß, Temperatur, Gewicht, Feuchte, Oberfläche). Daraus ergibt sich das passende Prüfmittel.
Warum das richtige Prüfmittel entscheidend ist
Bei der Annahme von Tiefkühlfisch schreibt die Lebensmittelhygiene eine Kerntemperatur von mindestens -18 °C vor. Die Temperaturanzeige am LKW-Kühlaggregat zeigt nur die Lufttemperatur im Laderaum, nicht die tatsächliche Temperatur im Produkt. Wurde die Kühlkette unterbrochen und der Fisch zwischenzeitlich angetaut, kann die Lufttemperatur längst wieder bei -20 °C liegen, während der Fischkern erst bei -12 °C ist. Nur das Einstechthermometer misst direkt im Produkt und liefert den tatsächlichen Wert.
Das Prinzip dahinter gilt für jede Prüfung: Wähle immer das Prüfmittel, das die geforderte Eigenschaft direkt misst, nicht einen Stellvertreter-Wert.
Lernziele
- eine Maß- oder Temperaturkontrolle im Wareneingang mit dem passenden Messmittel durchzuführen, indem der korrekte Messwert bei 2 von 3 Probstücken ermittelt und das Ergebnis mit dem Sollwert aus der Bestellspezifikation verglichen wird
- das geeignete Prüfmittel für eine vorgegebene Warenannahmesituation auszuwählen, indem für 3 von 4 beschriebenen Prüfszenarien das passende Messmittel benannt und die Wahl mit der spezifischen Prüfanforderung begründet wird
- gängige Mess- und Prüfmittel für die Warenannahme zu benennen, indem mindestens 5 von 7 vorgegebenen Prüfmitteln (Messschieber, Einstechthermometer, Maßband, Waage, Feuchtemessgerät, Lupe, Referenzmuster) korrekt mit ihrem jeweiligen Einsatzbereich an der Annahmerampe zugeordnet werden