Warum liest dein Scanner den einen Barcode, aber nicht den anderen?
Ewas Scanner streikt beim Palettenetikett
Ewa richtet den Handscanner auf den nächsten Karton. Piep, erfasst. Montagvormittag, 08:45 Uhr, zwölf Paletten warten auf der Rampe. Die Einzelkartons laufen durch, aber beim Palettenetikett blinkt nur eine Fehlermeldung.
Was passiert, wenn dein Handscanner, mit dem du bei der digitalen Datenerfassung bereits gearbeitet hast, einen Barcode trotz korrekter Ausrichtung nicht liest?
Der Unterschied liegt im Format. Die kurzen Codes auf den Kartons sind EAN-13 (ISO/IEC 15420): 13 Ziffern, die eine Artikelnummer (GTIN-13) codieren. Mehr nicht. Das Palettenetikett trägt einen GS1-128-Code (basierend auf ISO/IEC 15417 Code 128). Er ist länger, weil er neben der Artikelnummer auch Chargennummer, MHD und Menge enthält. Die Zifferngruppen in Klammern heißen Application Identifier (AI) - z.B. (01) GTIN, (10) Charge, (15) MHD - und markieren, welches Datenfeld folgt. Ewas Scanner ist nur für EAN-13 konfiguriert und kann die GS1-128-Struktur nicht interpretieren.
Fünf Schritte bei Lesefehlern
Nicht jeder Lesefehler liegt am Format. Bevor du auf Konfiguration tippst, arbeitest du diese Reihenfolge ab:
- Barcode auf Beschädigung oder Verschmutzung prüfen (Sichtkontrolle).
- Lesefenster des Scanners mit trockenem Tuch abwischen.
- Abstand und Scanwinkel anpassen - zu nah oder zu schräg verhindert das Lesen.
- Ziffernfolge unter dem Barcode manuell ins WMS eintippen.
- Barcodenummer ans WMS senden und eine Fehlermeldung anlegen, damit die IT nachverfolgen kann.
In Ewas Fall ist der Code unbeschädigt. Schritte 1 bis 3 ändern nichts. Sie tippt die Nummer manuell ein und meldet das Konfigurationsproblem.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du machst dazu einen Eintrag in dein Berichtsheft - wie fasst du den Unterschied zusammen zwischen EAN-13 und GS1-128 in je einem Satz?
Was passiert, wenn 240 Artikel im System verschwinden?
Vom Scanfehler zur Inventurdifferenz
Angenommen, Ewa hätte den GS1-128-Code weder manuell eingegeben noch gemeldet. Die Palette wird eingelagert, aber das WMS kennt die 240 Artikel nicht. Im System: Bestand null. Im Regal: 240 Stück.
Diese Lücke bleibt oft wochenlang unsichtbar. Erst bei der nächsten Inventur fällt die Differenz auf. Bis dahin löst der Fehler drei Wirkungen aus:
- Fehlbestand im System - das WMS meldet "nicht verfügbar" und löst eine Nachbestellung aus, obwohl die Ware längst im Lager steht. Dein Betrieb zahlt doppelt.
- Kundenbestellungen werden storniert oder verzögert (Kundenausfall). Die Ware liegt drei Gänge weiter, aber laut System existiert sie nicht.
- Nach der Inventurkorrektur tauchen 240 Artikel plus die nachbestellte Menge auf. Ergebnis: Doppelbestand, blockierter Lagerplatz, gebundenes Kapital.
Die Kette unterbrechen
Jeder der fünf Troubleshooting-Schritte ist eine Chance, diese Kette zu stoppen. Die manuelle Eingabe (Schritt 4) sichert die Buchung. Die Fehlermeldung (Schritt 5) sorgt dafür, dass das Konfigurationsproblem nicht bei der nächsten Palette wieder auftritt.
Ewas Griff zum Nummernblock hat ihrem Betrieb eine unnötige Nachbestellung über 240 Artikel erspart.
Teste dein Wissen
Beim Wareneingang analysierst du ein GS1-128-Etikett auf einem Versandkarton. Du siehst die Zeichengruppe (10)AB2025. Welches Datenfeld hat AI (10) hier strukturiert?