Internet-Protokoll v4

5 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 4
  1. Du bist in der Lage, die wichtigsten Felder im IPv4-Header (z. B. Version, TTL, Protocol, Source und Destination Address) zu erklären ,

    indem deren jeweilige Funktion für die korrekte Verarbeitung und Weiterleitung von Datenpaketen auf der Internetschicht beschrieben wird.

  2. Du bist in der Lage, die unterschiedlichen Typen von IPv4-Adressen (z. B. Unicast, Broadcast, Multicast, private und öffentliche Adressen) zu differenzieren ,

    indem deren spezifische Verwendungszwecke im Kontext verschiedener Netzwerkszenarien (z. B. lokale Netzwerke vs. Internetkommunikation) erläutert werden.

  3. Du bist in der Lage, die Struktur einer IPv4-Adresse abzurufen ,

    indem die Länge von 32 Bits und die übliche dezimale Schreibweise in vier Oktetten benannt werden.

  4. Du bist in der Lage, die Nachteile und Grenzen von IPv4 zu erklären ,

    indem spezifische Probleme wie die Adressknappheit des 32-Bit-Adressraums und die daraus resultierende Notwendigkeit von Workarounds wie NAT (Network Address Translation) beschrieben werden.

Wie ist eine IPv4-Adresse aufgebaut?

Die 32-Bit-Struktur in vier Oktetten

Aus den Grundlagen des Internet-Protokolls weisst du bereits, dass IP-Adressen für die logische Ende-zu-Ende-Adressierung in paketvermittelten Netzwerken sorgen. Bei der Version IPv4 (Internet Protocol Version 4) besteht diese Adresse technisch aus einer 32-Bit-Zahl (einer Folge von 32 Nullen und Einsen).

Da reine Binärzahlen für Menschen schwer lesbar sind, wird die 32-Bit-Adresse in vier Blöcke zu je 8 Bit unterteilt. Diese 8-Bit-Blöcke nennt man Oktette. Jedes Oktett wird in eine Dezimalzahl umgewandelt und durch einen Punkt getrennt. Diese Schreibweise nennt sich Dotted-Decimal-Notation.

  • Struktur: Oktett.Oktett.Oktett.Oktett
  • Wertebereich: Da 8 Bit exakt 256 Kombinationsmöglichkeiten bieten, reicht der dezimale Wert jedes Oktetts von 0 bis 255.
  • Beispiel: 192.168.178.20

Netzanteil und Hostanteil

Jede IPv4-Adresse ist logisch in zwei Bereiche geteilt, um das Routing durch die Netzwerkknoten effizient zu gestalten:

  1. Netzanteil: Identifiziert das übergeordnete Netzwerk. Er funktioniert wie die Postleitzahl und der Strassenname einer Adresse. Router nutzen primär diesen Teil, um Datenpakete in das richtige Zielnetzwerk zu leiten.
  2. Hostanteil: Identifiziert das spezifische Endgerät (den Host) innerhalb dieses Netzwerks. Er ist vergleichbar mit der Hausnummer, die das genaue Ziel im bereits gefundenen Netzwerk bestimmt.
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Welche Informationen stecken im IPv4-Header und welche Adresstypen gibt es?

Der IPv4-Header als digitaler Frachtbrief

Da dir das Prinzip der Kapselung im TCP/IP-Modell bekannt ist, weisst du, dass Daten auf der Internetschicht verpackt werden. Dabei wird der IPv4-Header hinzugefügt. Er fungiert als detaillierter Frachtbrief, der alle Steuerinformationen für die korrekte Verarbeitung und Weiterleitung durch Router enthält.

Die wichtigsten Felder dieses Headers sind:

  • Version: Hat bei IPv4 immer den Wert 4.
  • TTL (Time to Live): Ein Lebensdauer-Zähler für das Paket. Jeder Router auf dem Weg verringert diesen Wert um 1. Erreicht die TTL die 0, wird das Paket verworfen. Das verhindert, dass Pakete bei Routing-Fehlern endlos im Netzwerk kreisen.
  • Protocol: Verrät dem empfangenden Gerät, an welches Protokoll der Transportschicht die entkapselten Daten übergeben werden müssen (z. B. 6 für TCP).
  • Source Address: Die 32-Bit-Adresse des sendenden Geräts.
  • Destination Address: Die 32-Bit-Adresse des empfangenden Geräts.

Kommunikationsarten: Unicast, Broadcast und Multicast

Je nach Netzwerkszenario nutzt IPv4 unterschiedliche Adresstypen für die Zustellung von Paketen:

  • Unicast: Die 1-zu-1-Kommunikation. Ein Paket geht von exakt einem sendenden Gerät an exakt ein empfangendes Gerät (z. B. beim gezielten Aufruf eines Webservers).
  • Broadcast: Die 1-zu-Alle-Kommunikation. Ein Paket richtet sich an alle Geräte im selben lokalen Netzwerk. Router blockieren Broadcasts standardmässig an ihren Schnittstellen, damit diese nicht das gesamte Internet überfluten.
  • Multicast: Die 1-zu-Viele-Kommunikation. Ein Paket geht an eine ausgewählte Gruppe von Geräten, die sich für diesen spezifischen Datenstrom registriert haben (z. B. bei Videokonferenzen oder IPTV-Streams).

Private vs. Öffentliche Adressen

Um den Adressraum zu strukturieren, wird strikt zwischen privaten und öffentlichen Adressen unterschieden:

  • Private Adressen: Werden ausschliesslich in lokalen Netzwerken (LANs) verwendet (z. B. 192.168.x.x oder 10.x.x.x). Sie werden von Routern im Internet nicht weitergeleitet (geroutet). Dadurch kann jedes Unternehmen und jeder Haushalt dieselben privaten Adressen intern gefahrlos wiederverwenden.
  • Öffentliche Adressen: Sind weltweit einmalig. Sie werden von Internet Service Providern (ISPs) vergeben und sind zwingend notwendig, um Server oder Router direkt über das globale Internet erreichbar zu machen.
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Warum stösst IPv4 an seine Grenzen?

Die Adressknappheit des 32-Bit-Raums

Der gravierendste Nachteil von IPv4 ist die mathematische Begrenzung der verfügbaren Adressen. Eine 32-Bit-Zahl ermöglicht exakt 2³² Kombinationen – das entspricht rund 4,3 Milliarden eindeutigen Adressen.

Als IPv4 in den 1980er Jahren entwickelt wurde, schien diese Menge unerschöpflich. Heute, im Zeitalter von Smartphones, Smart-Home-Geräten und dem Internet of Things (IoT), reicht diese Zahl längst nicht mehr aus, um jedem internetfähigen Gerät eine eigene öffentliche IP-Adresse zuzuweisen. Der öffentliche IPv4-Adressraum ist weltweit de facto erschöpft.

NAT als notwendiger Workaround

Um das Internet trotz der Adressknappheit weiter betreiben zu können, wurde NAT (Network Address Translation) als Workaround entwickelt.

NAT ermöglicht es, ein gesamtes lokales Netzwerk mit hunderten privaten IPv4-Adressen hinter einer einzigen öffentlichen IPv4-Adresse des Routers zu verstecken. Wenn ein Gerät aus dem lokalen Netzwerk mit dem Internet kommuniziert, übersetzt der Router die private Absenderadresse in seine eigene öffentliche Adresse und merkt sich diese Zuordnung. Obwohl NAT das Problem der Adressknappheit erfolgreich hinauszögert, bricht es das ursprüngliche Prinzip der direkten Ende-zu-Ende-Kommunikation und macht bestimmte Netzwerkanwendungen komplexer. Die langfristige Lösung für dieses Problem ist der Umstieg auf den Nachfolger IPv6.

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