Routingprotokolle

5 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, die grundlegende Funktionsweise von Routing-Protokollen zu erklären ,

    indem die Notwendigkeit für dynamisches Routing, der Austausch von Routing-Informationen zwischen Routern und die automatische Erstellung sowie Aktualisierung von Routing-Tabellen beschrieben werden.

  2. Du bist in der Lage, die verschiedenen Kategorien von Routing-Protokollen zu klassifizieren ,

    indem Interior Gateway Protocols (IGP) und Exterior Gateway Protocols (EGP) sowie die Hauptunterschiede zwischen Distanzvektor-, Link-State- und Pfadvektor-Protokollen anhand ihrer Funktionsweise und typischen Anwendungsbereiche erläutert werden.

  3. Du bist in der Lage, die Funktionsweise und charakteristischen Merkmale gängiger Routing-Protokolle zu vergleichen ,

    indem Protokolle wie RIP, OSPF und BGP hinsichtlich ihrer verwendeten Metriken, Konvergenzgeschwindigkeit und Skalierbarkeit gegenübergestellt werden.

Warum benötigen Netzwerke dynamische Routing-Protokolle?

Statisches vs. dynamisches Routing

Stell dir vor, du bist als Kurierfahrer:in in einer riesigen Metropole unterwegs. Jeden Tag gibt es neue Baustellen oder unvorhergesehene Sperrungen. Ein gedruckter, starrer Stadtplan wäre hier schnell veraltet. Du brauchst ein Navigationssystem, das dir automatisch und dynamisch den effizientesten Weg anzeigt und bei Staus sofort eine Ausweichroute berechnet.

Genau diese Aufgabe erfüllen Routing-Protokolle in Computernetzwerken. In sehr kleinen Netzwerken können Administrator:innen die Wege für Datenpakete noch manuell in die Router eintragen (statisches Routing). Im riesigen und sich ständig wandelnden Internet ist dies jedoch unmöglich. Fällt eine Leitung aus, würden Pakete bei statischen Routen im Nichts landen. Dynamische Routing-Protokolle lösen dieses Problem, indem sie Routern beibringen, selbstständig die besten Wege zu finden und auf Ausfälle oder neue Verbindungen in Echtzeit zu reagieren.

Der Prozess der dynamischen Routenfindung

Routing-Protokolle definieren die "Sprache" und die Regeln, mit denen Router untereinander kommunizieren. Dieser automatische Prozess läuft in drei grundlegenden Schritten ab:

  1. Informationen austauschen: Router senden sich kontinuierlich gegenseitig Nachrichten über die Netzwerke, die sie direkt erreichen können, sowie über den Zustand ihrer Verbindungen.
  2. Pfade bewerten: Sie bewerten die Qualität der möglichen Wege zum Ziel anhand bestimmter Kriterien, der sogenannten Metrik. Eine Metrik kann beispielsweise die Anzahl der Zwischenstationen (Hops) oder die verfügbare Bandbreite der Leitung sein.
  3. Routing-Tabelle aufbauen: Jeder Router berechnet den besten Weg und trägt diesen für jedes Zielnetzwerk in seine Routing-Tabelle ein. Diese Tabelle dient als interner Wegweiser: Sie sagt dem Router exakt, an welchen direkten Nachbarn ein ankommendes Datenpaket weitergeleitet werden muss.
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Wie werden Routing-Protokolle kategorisiert?

Einsatzort: IGP und EGP

Routing-Protokolle werden primär danach unterschieden, ob sie innerhalb oder zwischen organisatorischen Grenzen arbeiten. Die wichtigste Grenze hierbei ist das Autonome System (AS) – ein Netzwerkverbund unter einheitlicher Verwaltung (z. B. das Netz eines Internet-Providers oder eines großen Konzerns).

  • Interior Gateway Protocols (IGP): Diese arbeiten ausschließlich innerhalb eines einzelnen Autonomen Systems. Sie optimieren den internen Datenverkehr. Stell dir das wie das interne Logistiksystem eines Versandhändlers vor, das Pakete effizient zwischen den eigenen Lagerhallen bewegt.
  • Exterior Gateway Protocols (EGP): Diese verbinden verschiedene, unabhängige Autonome Systeme miteinander. Sie sind die Brücken, die das globale Internet formen. Das ist vergleichbar mit internationalen Speditionen, die Sendungen über Länder- und Unternehmensgrenzen hinweg transportieren.

Arbeitsweise: Wie Router den besten Weg finden

Neben dem Einsatzort unterscheiden sich Protokolle in der Art und Weise, wie sie den besten Weg berechnen:

  • Distanzvektor-Protokolle: Router kennen nicht das gesamte Netzwerk. Sie kennen nur die "Distanz" (z. B. Anzahl der Hops) und den "Vektor" (die Richtung, also den Nachbar-Router). Sie verlassen sich blind auf die Informationen ihrer direkten Nachbarn ("Routing by Rumor").
  • Link-State-Protokolle: Jeder Router sammelt Informationen über den Zustand aller Verbindungen (Links) im Netzwerk. Daraus baut sich jeder Router eine vollständige, identische Landkarte (Topologie) des Netzwerks auf und berechnet selbstständig den kürzesten Weg zum Ziel.
  • Pfadvektor-Protokolle: Hier tauschen Router den kompletten Pfad der Autonomen Systeme aus, der durchlaufen werden muss. Die Entscheidung basiert weniger auf Geschwindigkeit, sondern auf administrativen Regeln (Policies), um beispielsweise bestimmte Transit-Netzwerke zu vermeiden.
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Wie unterscheiden sich RIP, OSPF und BGP in der Praxis?

RIP: Der einfache Distanzvektor-Klassiker

Das Routing Information Protocol (RIP) ist ein klassisches Distanzvektor-Protokoll für den internen Einsatz (IGP).

  • Metrik: Es nutzt ausschließlich den Hop-Count. Der Weg mit den wenigsten Routern dazwischen gewinnt – selbst wenn eine alternative Leitung eine viel höhere Bandbreite hätte.
  • Skalierbarkeit: Sehr gering. Bei 15 Hops ist das Maximum erreicht. Ein Ziel, das 16 Hops entfernt ist, gilt für RIP als unerreichbar.
  • Konvergenzgeschwindigkeit: Langsam. Es dauert vergleichsweise lange, bis alle Router im Netzwerk einen Ausfall bemerken und ihre Tabellen einheitlich aktualisiert haben.
  • Einsatz: Wegen dieser starken Limitierungen wird RIP heute fast nur noch in sehr kleinen Netzwerken oder zu Lernzwecken eingesetzt.

OSPF: Der Link-State-Standard für Unternehmensnetze

Open Shortest Path First (OSPF) ist ein Link-State-Protokoll und das am weitesten verbreitete IGP in modernen Netzwerken.

  • Metrik: Es nutzt die Kosten einer Route, die sich standardmäßig aus der Bandbreite der Leitung berechnen. Schnelle Glasfaserverbindungen werden langsamen Kupferkabeln automatisch vorgezogen.
  • Skalierbarkeit: Sehr hoch. OSPF teilt große Netzwerke in hierarchische Bereiche (Areas) ein. Das spart Speicherplatz auf den Routern und reduziert den internen Netzwerkverkehr.
  • Konvergenzgeschwindigkeit: Sehr schnell. Bei einem Ausfall werden sofort gezielte Updates verschickt und Alternativrouten in Millisekunden neu berechnet.
  • Einsatz: Mittlere bis sehr große Unternehmensnetzwerke.

BGP: Das Pfadvektor-Rückgrat des Internets

Das Border Gateway Protocol (BGP) ist ein Pfadvektor-Protokoll und das einzige heute relevante EGP. Es verbindet die Autonomen Systeme weltweit.

  • Metrik: BGP nutzt den AS-Path (die Liste der durchquerten Autonomen Systeme) und komplexe, manuell konfigurierbare Policies (Richtlinien).
  • Skalierbarkeit: Extrem hoch. BGP verwaltet die globale Internet-Routing-Tabelle mit fast einer Million Einträgen.
  • Konvergenzgeschwindigkeit: Eher langsam. Dies ist bei der enormen Größe des Internets jedoch zwingend notwendig, um ständige, globale Schwankungen (Route Flapping) zu vermeiden, wenn Verbindungen kurzzeitig instabil sind.
  • Einsatz: Das De-facto-Standardprotokoll des Internets. Es setzt geschäftliche und politische Routing-Entscheidungen zwischen Providern um.
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