Wasserfallmodell und seine Phasen

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Was du nach diesem Konzept kannst 2
  1. Du bist in der Lage, das Wasserfallmodell und seine charakteristischen Phasen zu erklären ,

    indem die lineare Abfolge von Anforderungsanalyse, Systemdesign, Implementierung, Test, Einführung und Wartung sowie die jeweiligen Hauptaktivitäten, Ergebnisse und die Bedeutung von Meilensteinen für jede Phase dargestellt werden.

  2. Du bist in der Lage, die Eignung des Wasserfallmodells für verschiedene Projekttypen zu interpretieren ,

    indem dessen Vor- und Nachteile (z.B. klare Struktur und Planbarkeit vs. geringe Flexibilität bei Anforderungsänderungen und spätes Feedback) analysiert und typische Anwendungsbereiche (z.B. Projekte mit stabilen, gut definierten Anforderungen und geringer Komplexität) identifiziert werden.

Wie funktioniert das Wasserfallmodell und wann setzen wir es ein?

Ein lineares Prozessmodell mit festen Meilensteinen

Das Wasserfallmodell ist ein klassisches, lineares Vorgehensmodell in der Softwareentwicklung. Wie du in der zugehörigen Grafik siehst, fließt der Entwicklungsprozess hier wie ein Wasserfall stufenweise und in nur eine Richtung nach unten. Das zentrale Prinzip lautet: Jede Phase muss vollständig abgeschlossen sein, bevor die nächste Phase beginnen darf. Am Ende jeder dieser Phasen steht ein fest definierter Meilenstein – zum Beispiel ein abgenommenes Dokument oder ein fertiges Softwaremodul. Rücksprünge in vorherige Phasen sind in der reinen Lehre dieses Modells nicht vorgesehen.

Die sechs charakteristischen Phasen

Ein Projekt durchläuft im Wasserfallmodell eine strikte Abfolge. Die typischen Phasen und ihre jeweiligen Ergebnisse (Meilensteine) sind:

  1. Anforderungsanalyse: Was genau soll die Software leisten? Hierbei erstellst du eine detaillierte Anforderungsdokumentation (Lasten- und Pflichtenheft), deren Qualitätskriterien du bereits aus deinem Vorwissen kennst.
  2. Systemdesign: Wie wird die technische Architektur aufgebaut? Das Ergebnis sind Design-Dokumente, wie die dir bekannten UML-Klassendiagramme.
  3. Implementierung: Der eigentliche Quellcode wird geschrieben. Das Ergebnis sind lauffähige, isolierte Softwaremodule.
  4. Test: Die Module werden zusammengefügt und auf Fehler geprüft. Das Ergebnis sind Testprotokolle und die freigegebene Software.
  5. Einführung (Deployment): Die Software wird bei der Kundschaft installiert. Das System ist nun betriebsbereit.
  6. Wartung: Fehlerbehebung und Pflege im laufenden Betrieb.

Klare Planbarkeit versus geringe Flexibilität

Der größte Vorteil dieses Modells ist seine klare Struktur und hohe Planbarkeit. Da alle Anforderungen ganz zu Beginn fixiert werden, lassen sich Budgets, Ressourcen und Termine im Vorfeld gut abschätzen.

Der entscheidende Nachteil ist jedoch die geringe Flexibilität. Stell dir vor, du programmierst eine Anwendung und erst in der Testphase (Phase 4) merkt die Kundschaft, dass ein wichtiges Feature fehlt. Im Wasserfallmodell ist eine solche Änderung jetzt enorm teuer und aufwendig, da das Design bereits abgeschlossen ist. Zudem sehen die Nutzenden erst sehr spät im Projektverlauf ein funktionierendes Produkt. Dieses späte Feedback ist ein echtes Projektrisiko, weshalb in dynamischen Umfeldern oft die dir bereits bekannten agilen Methoden bevorzugt werden.

Überlege kurz: Warum ist eine extrem detaillierte und fehlerfreie Anforderungsdokumentation (Phase 1) für den Erfolg dieses Modells zwingend erforderlich?

Für welche Projekte eignet sich das Wasserfallmodell?

Aufgrund seiner starren Eigenschaften eignet sich das Wasserfallmodell hervorragend für Projekte mit sehr stabilen, klar definierten Anforderungen und geringer fachlicher Komplexität.

Ein klassisches Praxisbeispiel ist die Entwicklung einer Steuerungssoftware für medizinische Geräte oder für die Luftfahrt. Hier stehen die gesetzlichen und technischen Anforderungen von Tag 1 an zu 100 % fest und dürfen sich während der Entwicklung nicht spontan ändern. Für innovative Web-Apps, bei denen sich Kundenwünsche und Marktbedingungen wöchentlich ändern können, ist das Wasserfallmodell hingegen ungeeignet.

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Du dokumentierst in einem neuen Projekt detailliert, welche Funktionen die Kundschaft von der Software erwartet. In welcher Wasserfall-Phase befindest du dich und was ist das Ergebnis?

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