User Experience (UX) vs. User Interface (UI)
Was unterscheidet UI von UX?
Zwei Begriffe, zwei Welten
In der Softwareentwicklung werden die Begriffe UI (User Interface) und UX (User Experience) oft verwechselt, beschreiben jedoch unterschiedliche Ebenen einer Anwendung.
- User Interface (UI) ist die Schnittstelle, der greifbare Berührungspunkt zwischen Mensch und Maschine. Es bezieht sich auf das "Look & Feel": Wie sehen Buttons aus? Welche Farben und Schriftarten werden genutzt? Wie reagiert ein Element visuell auf einen Klick?
- User Experience (UX) beschreibt das ganzheitliche Erlebnis vor, während und nach der Nutzung. Es umfasst, wie sich die Interaktion anfühlt, wie einfach ein Problem gelöst werden kann und welche Emotionen dabei entstehen.
Ein Beispiel zur Veranschaulichung ist eine Ketchup-Flasche: Das UI ist das Design der Flasche – das Glas, das Etikett und der rote Deckel. Die UX ist das Erlebnis, den Ketchup auf den Teller zu bekommen. Eine hübsche Glasflasche mag ein ästhetisches UI haben, bietet aber eine frustrierende UX, wenn der Ketchup nicht herausfließt. Eine auf dem Kopf stehende Plastikflasche ist vielleicht optisch schlichter, bietet aber eine exzellente UX, da der Inhalt sofort und dosiert verfügbar ist. Das UI ist also das Werkzeug, durch das die UX realisiert wird.
Warum schönes Design allein nicht reicht
Ein häufiger Trugschluss ist, dass eine optisch ansprechende App automatisch eine gute User Experience bietet. Ein ästhetisches UI ist zwar wichtig für den ersten Eindruck, garantiert aber keinen Nutzungserfolg.
Stell dir einen Online-Shop vor, der visuell beeindruckend ist, hochwertige Bilder und moderne Animationen nutzt (gelungenes UI). Wenn jedoch der Checkout-Prozess unlogisch strukturiert ist – etwa wenn Nutzende gezwungen werden, ein Konto zu erstellen, bevor sie die Versandkosten sehen – werden sie den Kauf frustriert abbrechen. Trotz der schönen Oberfläche ist die User Experience mangelhaft, da die Usability (Gebrauchstauglichkeit) und der logische Workflow fehlen. Eine positive UX entsteht erst, wenn Ästhetik (UI) und Funktionalität (UX-Konzepte) nahtlos ineinandergreifen.
Wer übernimmt welche Aufgaben?
UI-Design: Der visuelle Feinschliff
UI-Designer:innen konzentrieren sich auf die visuelle Ausgestaltung und die Interaktionselemente. Sie sorgen dafür, dass die Anwendung die Markenidentität widerspiegelt und visuell konsistent ist. Zu ihren typischen Aufgaben gehören:
- Visuelle Gestaltung: Auswahl von Farbpaletten, Typografie (Schriftarten) und Abständen (Whitespace).
- Interaktionsdesign: Gestaltung von Zuständen (z. B. wie sieht ein Button aus, wenn er gedrückt oder deaktiviert ist) und Mikro-Animationen.
- Design-Systeme: Erstellung von Styleguides und Komponenten-Bibliotheken, damit alle Screens der Software einheitlich aussehen.
- Responsivität: Sicherstellen, dass das Design auf verschiedenen Bildschirmgrößen (Smartphone, Tablet, Desktop) gut aussieht und funktioniert.
UX-Design: Das Fundament und die Struktur
UX-Designer:innen arbeiten analytisch und strategisch. Ihr Fokus liegt auf dem "Warum" und "Wie" der Nutzung, oft lange bevor das erste farbige Pixel gesetzt wird. Ihre Kernaufgaben sind:
- User Research: Durchführung von Interviews und Analysen, um die Probleme und Ziele der Zielgruppe zu verstehen.
- Personas & User Stories: Entwicklung fiktiver Nutzerprofile (Personas), um Entscheidungen aus der Sicht der Anwendenden zu treffen.
- Information Architecture: Strukturierung der Inhalte und der Navigation (Sitemaps), damit Nutzende sich intuitiv zurechtfinden.
- Wireframing & Prototyping: Erstellung von groben Skizzen (Wireframes) und klickbaren Modellen (Prototypen), um den Ablauf (User Journey) zu testen und Logikfehler frühzeitig zu beheben.
- Usability Testing: Überprüfung der Konzepte mit echten Testpersonen, um Schwachstellen im Workflow zu identifizieren.
Lernziele
- die Abhängigkeit zwischen UI und UX erklären, indem das User Interface als der greifbare Berührungspunkt beschrieben wird, durch den die User Experience realisiert wird, und erläutert wird, warum ein ästhetisches UI allein keine positive UX garantiert.
- die Begriffe User Interface (UI) und User Experience (UX) differenzieren, indem der Fokus des UI auf die visuellen und interaktiven Elemente (Look & Feel) dem ganzheitlichen Erlebnis, der Nutzbarkeit und der emotionalen Reaktion des Anwendenden (UX) gegenübergestellt wird.
- typische Aufgabenbereiche der jeweiligen Disziplin zuzuordnen, indem Aktivitäten wie Farbgestaltung, Typografie und Layout dem UI-Design und Aktivitäten wie User Research, Persona-Erstellung und Journey Mapping dem UX-Design zugewiesen werden.
- die Auswirkungen von Usability-Problemen auf die User Experience trotz gelungenem UI-Design interpretieren, indem Szenarien analysiert werden, in denen visuell ansprechende Anwendungen aufgrund von unlogischen Workflows oder fehlender Problemlösungskompetenz scheitern.
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