Personas

Lernfeld 10: Benutzerschnittstellen gestalten und entwickeln

Was sind Personas und warum sind sie wichtig?

Fiktive Charaktere, echte Daten

Stell dir vor, du entwickelst eine App für Hobbygärtner:innen. Anstatt für eine anonyme Masse zu entwickeln, erschaffst du "Gisela, die erfahrene Rosenliebhaberin" und "Tom, den Balkon-Anfänger". Personas sind fiktive Charaktere, die stellvertretend für die verschiedenen Nutzendengruppen deines Produkts stehen. Sie sind jedoch keine reine Fantasie, sondern basieren auf echten Daten und Erkenntnissen aus der Nutzendenforschung. Eine Persona gibt der abstrakten Zielgruppe ein Gesicht, einen Namen und eine Geschichte. Sie beschreibt nicht nur demografische Daten wie Alter und Beruf, sondern vor allem Ziele, Bedürfnisse, Motivationen, Verhaltensweisen und Frustrationen.

Der Nutzen im Entwicklungsprozess

Personas sind ein zentrales Werkzeug im User-Centered Design (UCD). Sie helfen dem gesamten Entwicklungsteam, Empathie für die Nutzenden zu entwickeln und deren Perspektive einzunehmen.

  • Fokus: Sie verhindern, dass wir versuchen, es "jedem recht zu machen", und stattdessen Lösungen für spezifische Bedürfnisse entwickeln.
  • Entscheidungshilfe: In Diskussionen können wir fragen: "Würde Gisela diese Funktion nutzen?" oder "Versteht Tom diesen Fachbegriff?". Das beendet subjektive Meinungsstreits ("Ich finde aber...") und stellt die Nutzenden in den Mittelpunkt.
  • Vermeidung des "Elastic User": Ohne klare Personas hat jedes Teammitglied oft ein anderes Bild der Nutzenden im Kopf, das sich je nach Bedarf ändert ("Der User will X", "Aber der User braucht doch Y"). Personas definieren präzise, wer gemeint ist.
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Wie erstellt man eine Persona?

Daten sammeln & segmentieren

Der Prozess beginnt mit User Research. Du führst Interviews mit potenziellen oder echten Nutzenden, startest Umfragen oder analysierst Nutzungsdaten bestehender Produkte. Ziel ist es, Muster im Verhalten und in den Bedürfnissen zu erkennen.

Nach der Datenerhebung suchst du nach Gemeinsamkeiten. Gibt es Gruppen von Menschen, die ähnliche Ziele verfolgen oder ähnliche Probleme haben? Diese Gruppen bilden die Basis für deine Personas. Für die Garten-App könnten sich zwei Hauptgruppen herauskristallisieren: Diejenigen, die tiefes Fachwissen suchen (Gisela), und diejenigen, die schnelle, einfache Tipps für den Start brauchen (Tom).

Profile erstellen

Nun hauchst du den Daten Leben ein. Eine gute Persona-Beschreibung enthält typischerweise:

  • Name und Foto: Um sie menschlich und merkbar zu machen (z. B. "Tom, der Balkon-Starter").
  • Demografie: Alter, Beruf, Wohnsituation (z. B. "28 Jahre, Student, WG mit kleinem Balkon").
  • Ziele & Motivation: Was will die Person erreichen? (z. B. "Möchte frische Kräuter zum Kochen, hat aber wenig Zeit").
  • Bedürfnisse & Wünsche: Was braucht sie dafür? (z. B. "Pflegeleichte Pflanzen, Erinnerungen ans Gießen").
  • Frustrationen (Pain Points): Was nervt sie aktuell? (z. B. "Pflanzen gehen immer ein, Fachbücher sind zu kompliziert").
  • Fähigkeiten & Vorwissen: Wie technikaffin oder erfahren ist sie? (z. B. "Nutzt täglich Apps, hat aber keinen grünen Daumen").

Ein Beispiel: "Tom ist 28 und wohnt in einer WG in der Stadt. Er kocht gerne und möchte seinen tristen Balkon mit frischen Kräutern und Tomaten beleben. Er hat aber keine Ahnung von Pflanzenpflege und vergisst oft das Gießen. Er sucht eine App, die ihm genau sagt, welche Pflanzen auf seinen schattigen Balkon passen und ihn rechtzeitig an Pflege erinnert, ohne ihn mit lateinischen Pflanzennamen zu überfordern." Mit Tom im Hinterkopf wird das Team Funktionen wie "Standort-Check per Kamera" und "Gieß-Erinnerungen" priorisieren.

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Lernziele

  • das Konzept von Personas im User-Centered Design erklären, indem Personas als fiktive, aber datenbasierte Repräsentationen typischer Nutzender definiert werden, die deren Ziele, Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Fähigkeiten verkörpern.
  • den Nutzen von Personas für die Produktentwicklung interpretieren, indem analysiert wird, wie Personas Empathie im Entwicklungsteam fördern, Diskussionen fokussieren, Designentscheidungen begründen und helfen, die 'Elastic User'-Falle zu vermeiden.
  • den Prozess der Persona-Erstellung veranschaulichen, indem die Schritte der Datenerhebung (z.B. durch Interviews, Umfragen, Nutzungsanalysen), der Segmentierung und der Erstellung detaillierter Persona-Profile (inkl. Name, Demografie, Ziele, Bedürfnisse, Verhaltensweisen) anhand eines konkreten Beispiels dargestellt werden.
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