Stakeholder-Analyse
Wer sind die Stakeholder und wie gehe ich mit ihnen um?
Das Konzept der Stakeholder-Analyse
In jedem Projekt gibt es Personen oder Gruppen, die ein berechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis haben oder direkt davon betroffen sind. Diese nennen wir Stakeholder. Die Stakeholder-Analyse ist der systematische Prozess, diese Akteure zu identifizieren, ihre Ziele und Motive zu verstehen und ihren Einfluss auf das Projekt zu bewerten. Sie ist keine einmalige Aufgabe, sondern bildet das Fundament für das gesamte Stakeholder-Management.
Ein Projekt kann technisch brillant umgesetzt sein, aber dennoch scheitern, wenn wichtige Interessengruppen ignoriert wurden. Ein klassisches Beispiel aus der IT: Du führst ein neues Ticketsystem ein, das technisch einwandfrei läuft. Du hast jedoch vergessen, den Betriebsrat frühzeitig einzubinden, der Bedenken bezüglich der Leistungsüberwachung der Mitarbeitenden hat. Das Projekt könnte kurz vor dem Go-Live gestoppt werden. Die Analyse hilft, solche Risiken frühzeitig zu erkennen.
Interne und externe Stakeholder
Um niemanden zu vergessen, werden Stakeholder anhand ihrer Zugehörigkeit zur Organisation klassifiziert:
- Interne Stakeholder: Sie sind Teil des eigenen Unternehmens oder der Projektorganisation.
- Beispiele: Die Geschäftsführung (erwartet ROI und Einhaltung des Budgets), die IT-Abteilung (muss den späteren Betrieb sicherstellen), der Betriebsrat (wacht über die Rechte der Belegschaft) oder das Entwicklungsteam selbst.
- Externe Stakeholder: Sie stehen außerhalb der Organisation, haben aber Anforderungen an das Projekt oder werden davon beeinflusst.
- Beispiele: Kund:innen (wollen ein funktionierendes Produkt), Liefernde (z. B. Cloud-Provider oder Hardware-Zulieferer), Gesetzgebende/Behörden (fordern Compliance, z. B. DSGVO) oder Anwohnende (bei Bauprojekten für Rechenzentren).
Die Macht-Interessen-Matrix
Um Ressourcen effizient einzusetzen, müssen wir priorisieren. Frei nach George Orwell könnte man sagen: "Alle Stakeholder sind gleich, aber manche Stakeholder sind gleicher als andere." Nicht alle sind für den Projekterfolg gleich entscheidend. Daher werden Stakeholder in einer Macht-Interessen-Matrix positioniert. Diese bewertet zwei Dimensionen: Macht (Wie stark kann die Person das Projekt beeinflussen?) und Interesse (Wie stark ist die Person am Projekt interessiert?). Daraus leiten sich vier Strategien ab:
- Wenig Macht, wenig Interesse ("Monitor"):
- Strategie: Überwachen. Diese Gruppe erfordert minimalen Aufwand. Es reicht, sie im Auge zu behalten, falls sich ihr Status ändert.
- Beispiel: Ein Zulieferbetrieb für Standard-Büromaterial bei einem Softwareprojekt.
- Viel Macht, wenig Interesse ("Keep Satisfied"):
- Strategie: Zufriedenstellen. Diese Stakeholder sind kritisch. Sie bringen sich kaum aktiv ein, können das Projekt aber stoppen, wenn sie unzufrieden sind. Man muss ihre Anforderungen erfüllen, ohne sie mit Details zu überfluten.
- Beispiel: Datenschutzverantwortliche oder Investierende, die primär auf die Einhaltung von Budgets und Fristen achten.
- Wenig Macht, viel Interesse ("Keep Informed"):
- Strategie: Informieren. Diese Personen haben keine Entscheidungsbefugnis, können aber wertvolle Verbündete sein oder bei Problemen helfen. Sie sollten regelmäßig Updates erhalten.
- Beispiel: Die späteren Endanwendenden einer Software (User), die sich auf neue Funktionen freuen.
- Viel Macht, viel Interesse ("Key Players"):
- Strategie: Eng managen / Kooperieren. Dies sind die wichtigsten Akteure. Sie müssen intensiv in Entscheidungen eingebunden und ihre Erwartungen aktiv gesteuert werden.
- Beispiel: Die Auftraggebenden (Sponsoren) des Projekts oder die Leitung der Fachabteilung, für die die Software entwickelt wird.
Lernziele
- Stakeholder anhand ihrer Rolle und ihres Einflusses klassifizieren, indem zwischen internen (z.B. Management, Mitarbeitende) und externen (z.B. Kund:innen, Liefernde, Behörden) Stakeholdern unterschieden und deren Macht und Interesse bewertet wird.
- das Konzept der Stakeholder-Analyse erklären, indem die systematische Identifikation, Analyse und Bewertung aller Personen und Gruppen, die ein Interesse am Projekt haben oder davon betroffen sind, als Grundlage für das Stakeholder-Management beschrieben wird.
- eine Stakeholder-Matrix (Macht-Interessen-Matrix) interpretieren, indem die Positionierung von Stakeholdern in den Quadranten (z.B. 'Key Players', 'Keep Satisfied', 'Keep Informed', 'Monitor') analysiert und daraus geeignete Kommunikations- und Einbindungsstrategien abgeleitet werden.
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