23 Aufrufe bei 1.400 Suchanfragen - wo steckt der Saugroboter?
1.400 suchen, 23 klicken
23 Seitenaufrufe in zwei Wochen. Dein Kollege Tuan öffnet Dienstagvormittag um 11:45 Uhr das Analytics-Dashboard. Der neue Saugroboter steht seit dem Launch fast unbemerkt im Shop. Dabei suchen monatlich 1.400 Personen nach "Staubsauger". Das Produkt steckt unter Smart Home > Steuerung > Geräte > Saugroboter - vier Klicks tief. 70 Prozent der mobilen Nutzenden steigen schon nach der zweiten Ebene aus. 38 Stück liegen im Lager, jede Woche ohne Korrektur gehen Verkäufe verloren.
Das Problem ist nicht das Produkt. Das Problem ist die Kategorie.
Vom Sortiment zur Kategorie
Die Sortimentsbreite klärt, welche Produktgruppen dein Shop führt. Die Produktkategorisierung klärt etwas anderes: wo ein einzelnes Produkt innerhalb dieser Gruppen landet. Genau diese Zuordnung entscheidet, ob Kundschaft das Produkt findet oder ob es vier Klicks tief verschwindet.
Was muss Tuan prüfen, um den Saugroboter richtig einzuordnen?
🎬 Vorstellung: Öffne gedanklich einen Onlineshop auf deinem Handy. Du suchst einen Saugroboter. Tippst du auf "Smart Home" oder auf "Haushaltsgeräte"?
Wie findest du die richtige Kategorie?
Suchvolumen und Nutzerintention als Kompass
Zwei Kriterien bestimmen, in welche Kategorie ein Produkt gehört:
- Suchvolumen: Welcher Kategoriebegriff wird häufiger gesucht? "Staubsauger" bringt 1.400 Suchanfragen pro Monat, "Smart Home Steuerung" nur 120. Wer einen Saugroboter kaufen will, sucht fast immer nach "Staubsauger" oder "Saugroboter".
- Nutzerintention: Was erwartet die suchende Person hinter dem Begriff? Wer "Staubsauger" eingibt, will ein Gerät zum Saugen sehen. Wer "Smart Home" eingibt, denkt an Lichtsteuerung, Thermostate oder Sprachassistenten.
Der Saugroboter passt zur Intention "Staubsauger", nicht zur Intention "Smart Home".
Wie tief darf eine Kategorie sein?
Jede zusätzliche Klickebene kostet Kundschaft. Faustregel: Auf dem Desktop sind drei Ebenen akzeptabel. Auf dem Smartphone maximal zwei. Auf kleinen Bildschirmen bedeutet jeder Klick Scrollen, Laden, Orientieren. Bei vier Ebenen wie im Saugroboter-Fall erreichen nur noch 30 Prozent der mobilen Nutzenden das Produkt.
🔮 Bevor du weiterliest: Tuan verschiebt den Saugroboter von Ebene 4 auf Ebene 2. Was verändert sich neben den Klickzahlen noch - denk an Suchmaschinen.
Was kostet eine zu tiefe Kategoriestruktur?
Drei messbare Effekte
Klickpfade und Absprungraten zeigen drei Effekte, wenn Kategorien zu tief verschachtelt sind:
- Steigende Absprungrate pro Ebene: Auf dem Desktop verlierst du pro Klickebene etwa 20 Prozent der Nutzenden. Auf dem Smartphone sind es bis zu 35 Prozent. Bei vier Ebenen erreicht mobil kaum ein Drittel das Produkt.
- Sinkende Conversion-Rate: Wer sich durch vier Ebenen klickt, ist oft schon frustriert. Die Kaufwahrscheinlichkeit sinkt mit jedem Schritt, selbst wenn das Produkt am Ende passt.
- Schlechtere SEO-Sichtbarkeit: Suchmaschinen bewerten Seiten mit kurzen URL-Pfaden besser.
/haushaltsgeraete/staubsauger/saugroboter-xrankt höher als/smart-home/steuerung/geraete/saugroboter/saugroboter-x.
Tuans Restrukturierung auf dem Prüfstand
So sieht Tuans Ergebnis aus: Verschiebung von Smart Home > Steuerung > Geräte > Saugroboter nach Haushaltsgeräte > Staubsauger > Saugroboter. Vier Kriterien geprüft:
- Suchvolumen: 1.400 vs. 120 - spricht für Haushaltsgeräte
- SEO: kürzerer URL-Pfad, besseres Ranking
- Klicktiefe: von 4 auf 2 Ebenen - mobil erreichbar
- Mobile Usability: Nutzende sind nach zwei Klicks am Produkt
Die 38 Stück im Lager haben jetzt eine Chance, gefunden zu werden.
🤔 Frage dich: Eine Kollegin sagt: "Der Saugroboter ist doch Smart-Home-fähig, also gehört er unter Smart Home. Kundschaft, die Smart Home sucht, erwartet ihn dort." Was spricht gegen dieses Argument?
Teste dein Wissen
Du sollst die Kategoriestruktur für den Saugroboter optimieren. Welches Kriterium ist für die Wahl des neuen Kategorienamens entscheidend?